Ich habe zwischen November 1990 und Juli 1991 Menschen in der Berliner U-Bahn fotografiert. Einige Geisterbahnhöfe (Jannowitzbrücke, Rosenthaler Platz) wurden bereits wenige Tage nach dem Mauerfall wieder in Betrieb genommen und ab Juli 1990 waren alle U-Bahnhöfe wieder geöffnet.
Die Passagiere bewegen sich zwischen Ost und West, zwischen Hoffen und Bangen, zwischen Nostalgie und Aufbruch, zwischen erlernten Gewissheiten und neuen Ideen und vielleicht auch zwischen alter Heimat und neuer Heimat.
Bemerkenswert sind für mich die Leere, die Ruhe und die vermeintliche Ernsthaftigkeit, die damals das öffentliche Leben im Berliner Nahverkehr bestimmen. Diese Zeit war geprägt von Offenheit, Vorurteilen, Neugier, Unsicherheiten, Konsum, Armut und starker Konfrontation mit Zerfall und Neuanfang.
Zu dieser Arbeit ist ein Buch mit einer Einführung von Matthias Harder erschienen.
o.T., Passagiere, 1990/91, Pigmentprint 100cm x 70cm, Auflage: 5